Aktienboden – Bodenkundliche Geodaten als Goldanlage der Zukunft

Das heutige Interview führen wir im Rahmen der Bodenbewusstseins-Kampagne für Boden-mal-anders.

Herr Prause, welche Bedeutung haben Geodaten in Ihrer täglichen Arbeit?

Ohne Geodaten ist meine Arbeit und die meiner Kollegen überhaupt nicht mehr vorstellbar. Geodaten sind aus der modernen Verwaltung nicht mehr wegzudenken. Für jede Anfrage, sei es zum Boden, zum Grundwasser, zur Geologie oder zum Baugrund, die an uns herangetragen wird, brauchen wir Entscheidungsgrundlagen, nämlich Geodaten. Die Aufgabe ist es dann, aus den Daten die Informationen zu machen, die uns helfen, eine bestimmte Fragestellung besser bewerten und beantworten zu können. Das gilt auch für Daten, die wir von hier aus an andere Nutzer weitergeben. Gegebenenfalls müssen Geodaten entsprechend aufbereitet und für den Nutzer so verständlich gemacht werden, so dass in jedem Fall die richtigen Schlussfolgerungen aus den Geoinformationen gezogen werden.

Wie definieren Sie Geodaten?

Geodaten sind Daten mit Raumbezug. Sie sind rechnerlesbare Informationen über Geländeform, Gegebenheiten und Gegenständen mit räumlichem Bezug zur Erdoberfläche. Geodaten bestehen aus Geometrie- und den zugehörigen Sachdaten. Sie bilden die Grundlage für die Erstellung von Karten und Plänen. Dabei sind Geodaten äußerst vielfältig.

So vielfätig wie die Nutzer von Geodaten? Gibt es Gruppen, für die Geodaten besonders wichtig sind?

Die Gruppe der Nutznießer von Geodaten ist unüberschaubar. Natürlich nutzt der gesamte Geobereich Geodaten. Die Anwendungsmöglichkeiten reichen jedoch viel weiter. Nicht nur der Wissenschaftler, der seine Forschung betreibt oder die Vorhaben der Wirtschaft und Planungen der öffentlichen Verwaltung, benötigen Geodaten. Auch der einzelne Bürger, z.B. als Bauherrn, der sein Haus auf einen sicheren Untergrund bauen will gehört dazu, wenn er einen Blick in die entsprechenden Baugrundkarten wirft. Der Bauherr ist dann letztendlich auch ein Geodatennutzer, ohne dass es ihm vielleicht so deutlich bewusst ist. Vielleicht möchte derselbe Bauherr auch eine geothermische Anlage bauen. Für die Entscheidung, ob sich das auf seinem Grundstück auch umsetzen lässt und lohnt, sollte er sich natürlich fundiert beraten lassen. Eine gute Beratung würde sich dabei natürlich auch immer auf die Auswertung vorhandener Geodaten stützen.
Stetige Nutzer von Geodaten sind Kommunen und Gemeinden, die ganzen öffentlichen Körperschaften oder Verwaltungseinrichtungen. Hier bilden Geodaten die Grundlage Bürgern Antworten auf verschiedenste Fragestellungen geben zu können. Aber auch für eigene Planungszwecke und –prozesse, sei es für Raumordnungsprogramme oder für die kommunale Planung, z.B. im Bereich der Bauleitplanung sind Geodaten unverzichtbar.

Nutzer von Geodaten sind also nicht nur Spezialisten oder Fachleute, sondern alle Bürger. Welcher Art sind denn die Grundlagendaten? Werden ausschließlich Bodendaten verwendet?

Den größten Informationswert haben Geodaten, wenn verschiedene Informationsebenen miteinander verbunden werden. Bei bodenkundlichen Fragestellungen spielen naturgemäß auch Auswirkungen auf das Grundwasser eine Rolle. Verschiedenste Daten, z.B. Bodendaten, Klimadaten oder Nutzungsdaten werden sachlich verbunden, wenn es fachlich notwendig ist.

Wie stellen Sie sicher, dass die Antworten aus den Geodaten, die Sie auf Fragen des Bürgers geben, eine geeignete Aussagekraft haben?

Wir versuchen jede Frage nach bestem Wissen und Gewissen zu beantworten. Leider gibt es auch Fragen, auf die wir keine 100 % Antwort geben können, weil aktuell keine geeigneten Datengrundlagen verfügbar sind. Oft helfen aber auch Empfehlungen, Hinweise oder Warnungen, die eine Entscheidung erleichtern.

Mit der Bitte um eine nicht zu technische Antwort; können Sie uns einen Einblick gewähren, auf welche Erfassungsmethoden z.B. Bodendaten gründen?

Gerade für den Boden haben wir eine sehr gute Datenbasis. Zum einen gibt es die verschiedenen Bodenkarten des LBEG und zum anderen die sogenannten Bodenschätzungsdaten. Damit haben wir eine phantastische Datengrundlage. Die Bodenschätzungkarten werden von der Finanzverwaltung mit dem Ziel einer gerechten Besteuerung ackerbaulicher Flächen seit 1934 erstellt. Die Bodenschätzung gibt einen Überblick über den typischen bodenartlichen Profilaufbau einer Fläche, die Bodenentwicklung und den Bodenwasserhaushalt. Diese Daten sind ein wahren Schatz, den wir bis heute für Auswertungen nutzen. Im Bereich der Landwirtschaft ermöglichen Bodenschätzungsdaten die Erstellung von teilflächenspezifischen Betriebskarten, um Produktionskosten zu optimieren.

Sie sprechen von Bodenschatz, von Bodenwerten. Wie würden Sie den Wert von Geodaten beschreiben?

Den Wert von Geodaten kann man gar nicht hoch genug ansetzen. Das Beispiel Bodenschätzungsdaten verdeutlicht zum einen den immensen Aufwand, der bei der Erfassung von Nöten war, zum anderen die große Bedeutung. Ob Landwirte mit Fragen zur Beregnung oder bei der Ermittlung des Tauschwertes von Böden im Rahmen von Flurneuordnungsverfahren. Die Antworten stecken in der Bodenschätzungsdaten. Der Wert für die wissenschaftliche Forschung ist natürlich unermesslich, da es ohne Geodaten auch keine neuen Erkenntnisse in der geowissenschaftlichen Forschung gäbe. Das gleiche gilt aber auch für die Planung, z.B. bei den Landkreisen und Kommunen, die Geodaten nutzen, um sich vor Fehlplanungen und den damit verbundenen Fehlinvestitionen zu schützen. Die Nutzung von Geofachdaten kann auch helfen, Entscheidungsprozesse zu beschleunigen und transparenter zu machen. Manchmal fällt es schwer den Wert genau in Euro beziffern, weil der Wert der damit verbundenen Naturgüter, wie Grundwasser oder Boden nicht immer genau mit einem konkreten Geldwert zu bestimmen ist. Spürbar wird es aber spätestens dann, wenn z.B. durch eine falsche Planung ein Schaden für die Umwelt entsteht, der evtl. mit großen Sanierungskosten verbunden ist. Dann stellt sich immer die Frage, ob durch eine vorherige Nutzung und Analyse von Geodaten der Schaden nicht hätte verhindert werden können.

Die ehemals analogen Daten werden für Niedersachsen flächendeckend digital zur Verfügung gestellt. Was können Sie über die Qualität und Aktualität der Geodaten sagen

Wir halten unsere Daten am LBEG mit einer hohen Aktualität und der größtmöglichen Genauigkeit vor. Da unser Datenpool sich auch ständig um neue Daten zu neuen Themen, z.B. dem Klimawandel, erweitert, ist die Gewinnung und Haltung natürlich auch ein fortlaufend dynamischer Prozess. Dabei versuchen wir auch immer wieder die Anwendungsmöglichkeiten unserer Daten zu verbessern, z.B. für neue Fragestellungen im Zusammenhang mit dem Bodenschutz in den großen Trassenprojekten der Energiewende. Wir verstehen uns dabei aber nicht nur bloß als „Datenlieferant“. Wir sehen unsere Aufgabe als geologischer Dienst von Niedersachsen natürlich auch darin, neben den reinen Fachdaten auch Handlungsanweisungen, Empfehlungen und Hilfen für die verschiedensten Vorhaben im Geobereich anzubieten. Dazu haben wir auch eine umfangreiche Reihe der sogenannten „Geoberichten“ zu den unterschiedlichsten Themen, so z.B. für die bodenkundliche Baubegleitung im Rahmen der bevorstehenden Trassenprojekte zur Energiewende, veröffentlicht. Diese Geoberichte stehen für jedermann/jederfrau auf unserer Homepage kostenlos als Download bereit.

Wie kommt der Bürger an die Geodaten und was kostet das?

Der einfachste Weg um einen Einblick in die Geodaten des LBEG zu erhalten, ist der NIBIS-Kartenserver im Internet unter "NIBIS Kartenserver",http://nibis.lbeg.de/cardomap3/. Mit wenigen Klicks sind die gewünschten Daten als Kartenbild im bestimmten Suchbereich einsehbar. Durch Klicken in die Flächen werden vertiefende Informationen angezeigt. Die Ackerzahl oder die Bodenzahl können so kinderleicht abgefragt werden. Die Nutzung ist natürlich auch kostenfrei.

Diese Daten sind frei und kostenlos verfügbar für jeden Bürger im Internet?

Alles was sie brauchen ist ein Internetanschluss. Sie werden einfach durch das Menu geleitet, so dass Sie kein Experte sein müssen, was die Bedienung und Nutzerführung der Anwendung angeht. Wenn dennoch Fragen zur Bedienung des NIBIS-Kartenservers aufkommen, können Sie uns jederzeit anrufen. Wir geben gerne Hilfestellung.
Mittlerweile steht mit 16 geowissenschaftliche Hauptthemen wie z.B. Bergbau, Boden, Hydrogeologie, Geologie und Rohstoffe eine breite Themenauswahl zur Verfügung. Für diese Themen gibt es dann wiederum zahlreiche Spezialkarten. Das Spektrum reicht von der Übersichtskarte bis zur Detailkarte mit grundstücksgenauen Aussagen. Für den bereits geübten Nutzer des Kartenservers gibt es auch eine Reihe von Fachanwendungen, so z.B. für das Thema Boden und Bewässerung. Für Landwirte lohnt es sich ganz bestimmt, da mal einen Blick hineinzuwerfen. Für den Fachanwender können wir auch Geodaten zur Verfügung stellen, die für die weitere Nutzung in Geografischen Informationssystemen geeignet sind. Die Kosten dafür unterscheiden sich etwas von Thema zu Thema, sind aber grundsätzlich erschwinglich. Für Nutzer von Geografischen Informationssystem gibt es aber dazu noch die Möglichkeit die WMS-Dienste des LBEG einzubinden. Auch dieser Service ist kostenfrei. Natürlich können Sie vom LBEG neben den digitalen Produkten auch noch gedruckte Karten, z.B. für eine geologische Karte, bekommen. Die Kosten dafür liegen bei ca. 22€ pro Farbplot.

In der Vorbereitung auf unser Gespräch ist mir aufgefallen, dass Ende letzten Monats der NIBIS-Kartenserver ein neues Design bekommen hat? Gibt es neben dem neuen Design auch neue Funktionen?

Sie haben jetzt tatsächlich die Möglichkeit den Kartenserver über mobile Geräte anzusteuern. Das ging vorher auch schon, jetzt mit mehr Komfort. Das Design ist dem aktuellen Zeitgeist angepasst und einige Bereiche um neue Funktionen erweitert worden. Speziell die Suche wurde erweitert. Egal ob Sie nach Baugrund, Garten oder Grundwasser suchen - die Treffer werden Ihnen sortiert nach Orten, Themen oder Einzelobjekten angezeigt. Als geübter Fachanwender können Sie auch eigene Daten generieren. Durch die Auswahl bestimmter Module können Fachfragen unterschiedlich und individuell neu und aktuell beantwortet werden.

Wenn ich unser Gespräch für mein Verständnis kurz zusammenfassen darf, bieten Sie den Bürgern mit dem NIBIS-Kartenserver eine Internetplattform durch die kostenlos Antworten auf verschiedenste Fragestellungen auf der aktuell und qualitativ bestverfügbaren Datenbestand eine Menge Antworten auf tägliche Fragen.

So ist es!

Welche Fragen werden sehr häufig gestellt?

Häufiger rufen Bürger an, weil Sie Fragen nach Grundwasserständen auf ihrem Grundstück haben. Mit der Absicht einen Brunnen zu bauen, entstehen Fragen zum geeigneten Standort oder zur Tiefe einer Bohrung. Hier bietet der Kartenserver eine erste Hilfe. Häufig gestellte Fragen drehen sich um das Thema Baugrund. Bauherren interessieren sich für die Tragfähigkeit des Bodens.

Ich habe das Gefühl, dass ich heute bei Ihnen für mich einen Schatz gehoben habe. Meine Hoffnung ist, dass in Zukunft noch viele Bürger, die bis heute noch nicht wissen, welch tolle Informationen und Beratungen Sie kostenlos bereitstellen, Ihre Schätze entdecken und nutzen. Tägliche Fragestellungen können leichter beantwortet und Prozesse beschleunigt werden.

Genau so soll das sein. Diese Entwicklung würde uns sehr freuen.

Also ist der Boden mal wieder anders, als der ganz normale Bürger es ihm zutraut. Er kann tolle Dinge leisten, die wir nur noch besser nutzen müssen.

Der Boden ist eine unserer wertvollsten Aktien. Für Böden und das Grundwasser gilt, dass Schäden an ihnen nur in langen Zeiträumen und mit großem Aufwand zu beheben sind. Wir versuchen den Schutz durch eine nachhaltige Nutzung in Einklang zu bringen!

Vielen Dank für das Gespräch.

Interview: G. Hilmes

Dr Holger Jensen
Dirk Prause berät die Bürger in Niedersachsen über Möglichkeiten der Nutzung des NIBIS Kartenservers.
Interviewpartner
Interviewpartner:
Herr Hilmes (links, e-strict),
Dirk Prause (rechts, LBEG)